63. Die Qualität der Aus-, Weiter- und Fortbildung in den Gesundheitsberufen hat einen bedeutenden Einfluss auf die Prozess- und Ergebnisqualität der Gesundheitsversorgung. Deshalb misst der Rat der qualitativen Entwicklung der personellen Ressourcen einen hohen Stellenwert bei.

Es ist zu erwarten, dass sich die Gesundheitsversorgung spürbar verändern wird, z. B. durch revolutionierende Innovationen, kürzer werdende Verfallszeiten des Wissens, veränderte Kontexte, sich wandelnde Versorgungsstrukturen und nicht zuletzt durch die veränderte Rolle des Patienten sowie neue partizipative Entscheidungsformen. Damit ergeben sich neue Anforderungsprofile für die Gesundheitsberufe.

64. Berufe in Medizin und Pflege werden ihre Entscheidungen in wesentlich weiteren Bezugsrahmen, wie sie sich aus neuen ethischen, wirtschaftlichen und patientenbezogenen Bewertungsmustern ergeben, zu treffen und zu rechtfertigen haben. Neue Versorgungsformen wie die 'integrierte Versorgung' verlangen von den Leistungserbringern, dass sie sich an über medizinische Einzelsachverhalte hinausgehenden Gestaltungsaufgaben beteiligen, z. B. hinsichtlich 
 regionaler gesundheitlicher, wirtschaftlicher und struktureller Ressourcen sowie integrativer Qualitätsmanagementprogramme.

65. Tendenziell muss es nach Auffassung des Rates darum gehen, die Professionalisierungswege in Medizin und Pflege zu flexibilisieren und auf grundlegende Kompetenzen sowie berufsbegleitende Kontinuität hin auszurichten. Dies erlaubt es Ärzten und Pflegekräften, veränderten Anforderungen eigenständig gerecht zu werden.

Neben die Aneignung aktuellen Wissens und entsprechender Fähigkeiten muss somit ein fortgesetzter Professionalisierungsprozess treten, der bereits in der Ausbildung eingeleitet und angelegt wird. Daraus folgt, dass eine standardisierte berufsbegleitende Sicherung der jeweils aktuell erforderlichen Qualifikation zugunsten der Wissensvermittlung relativ an Bedeutung gewinnen wird.

Diese kontinuierliche professionelle Entwicklung zu fördern ist Aufgabe aller Gesundheitsberufe, ihrer Vereinigungen und der sie beschäftigenden Institutionen. Insbesondere sind auch in nicht-akademischen Gesundheitsberufen Möglichkeiten der berufsinternen Weiter- und Fortbildung zu fördern und verstärkt Perspektiven zu eröffnen.


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