4.2 Adressaten, Durchführung und Auswertung der Befragung

36. Mit der Befragungsaktion wollte der Rat möglichst umfassend alle Organisationen erreichen, die sich mit der gesundheitlichen Versorgung von Patienten, Versicherten und Bürgern in Deutschland befassen. Damit war eine Ausweitung der Befragung über die Mitgliedsorganisationen der Konzertierten Aktion im Gesundheitswesen (KAiG) hinaus zielführend und der Einbezug von medizinischen Fachgesellschaften und weiteren, nicht in der KAiG vertretenen Betroffenen-Organisationen notwendig. Insgesamt konnten 129 Fachgesellschaften, 69 Betroffenen-Organisationen und 102 Organisationen der Kategorie "KAiG und Sonstige" an der Befragung beteiligt werden (zur Auflistung der einzelnen Adressaten siehe Anhang).

37. Die Befragung der Mitgliedsorganisationen der KAiG, der Fachgesellschaften und Betroffenen-Organisationen sollte nach einem einheitlichen Schema, aber dennoch 'adressatengerecht' erfolgen. Der Rat hat deshalb zielgruppenspezifische Befragungsunterlagen in Form von nicht-standardisierten Fragebögen mit zahlreichen Erläuterungen ('Befragungstexte') erstellt.

Prinzipiell erfolgte die Befragung sowohl 'indikationsbezogen' (bezogen auf Leistungen und Maßnahmen zur Vermeidung bzw. Behandlung einer Krankheit oder Behinderung) als auch 'nicht-indikationsbezogen' (bezogen auf Versorgungsgrad und Strukturqualität). In beiden Bereichen wurden kausal und empirisch hinreichend belegte Aussagen zur Über-, Unter- und Fehlversorgung erbeten. Außerdem wurden die Organisationen gebeten, Maßnahmen zu empfehlen, die sich zur Verbesserung der geschilderten Problemlagen eignen.

38. Die Mitglieder der Konzertierten Aktion (KAiG) wurden gebeten, vor allem zu folgenden, aus Sicht des Rates prioritären Indikationsbereichen[1] Stellungnahmen abzugeben:

  1. ischämische Herzkrankheiten, inklusive Herzinfarkt (ICD-9: 410-414; ICD-10: I20‑I25),
  2. zerebrovaskuläre Erkrankungen, insbesondere Schlaganfall (ICD-9: 430-438; ICD‑10: I60-I69),
  3. chronische, obstruktive Lungenkrankheiten (ICD-9: 490-496; ICD-10: J41-J44), auch Asthma bronchiale bei Kindern (ICD-10: J45),
  4. Rückenleiden (ICD-9: 720-724; ICD-10: M49-M54),
  5. Lungenkarzinom (ICD-9: 162; ICD-10: C33-C34), Mammakarzinom (ICD-9: 174; ICD-10: C50), Kolon- und Rektumkarzinom (ICD-9: 153-154; ICD-10: C18-20) und
  6. depressive Störungen (ICD-9: 296, 311; ICD-10: F 30-39).

39. Die Versendung der Befragungsunterlagen (Anschreiben und Befragungstext mit Kurzdefinitionen der Begriffe) erfolgte am 4. April 2000. Als Frist für die Abgabe einer Stellungnahme war im ursprünglichen Anschreiben der 31. Mai 2000 angegeben. Aufgrund vieler Nachfragen wurde den Befragten eine Fristverlängerung bis zum 30. Juni 2000 eingeräumt. Nachdem die Rücklaufquote zu diesem Zeitpunkt noch gering war (ca. 20 %), wurden Anfang Juli 2000 Erinnerungsschreiben verschickt, in dem der Abgabetermin auf den 31. August 2000 verlängert wurde.

40. Die Erfassung und Auswertung der Inhalte der Stellungnahmen erfolgte mit Hilfe einer Datenbank. Aufgenommen wurden: 'Grunddaten' der stellungnehmenden Organisation, 'Aussagen' zur Über-, Unter- und Fehlversorgung, 'Empfehlungen' und 'Quellenangaben' (siehe Abbildung 1). 

Die aus den Stellungnahmen extrahierbaren Aussagen zu Über-, Unter- bzw. Fehlversorgung sowie die Empfehlungen wurden in der Regel im originalen Wortlaut in die Datenbank aufgenommen. In Ausnahmefällen, wenn z. B. die Aussage oder Empfehlung nicht klar umgrenzt war oder an unterschiedlichen Stellen wiederholt auftauchte, wurde sie sinngemäß eingegeben. Die Eingruppierung in die Kategorien der Versorgungsprobleme erfolgte ebenfalls vorrangig nach der Einschätzung der jeweiligen Organisation. Wenn die Stellungnahme das Problem nicht wörtlich als Über-, Unter- oder Fehlversorgung bezeichnete, wurde die Einstufung durch die auswertende Person vorgenommen. 

Neben dem eigentlichen Wortlaut der Aussage bzw. Empfehlung wurden u. a. folgende Merkmale in der Datenbank erfasst: Indikationsbereich, Leistungserbringer und Einrichtung, Versorgungssektor, Leistungsart, Technologie, regionaler Bezug und Zielgruppe. Diese Merkmale dienten - in einfacher oder kombinierter Weise - auch als Abfragekriterien bei der Auswertung der Datenbank. 


[1] Dabei orientierte sich der Rat an folgenden Kriterien: Häufigkeit von Gesundheitsproblemen, Krankheitsschwere, direkte Krankheitskosten, indirekte Krankheitskosten, eventuell unausgeschöpfte präventive Potenziale, gesundheitliche Probleme vulnerabler Bevölkerungsgruppen und umstrittene Gesundheits- oder Versorgungsprobleme, sofern sie einer Klärung zugänglich sind.

Abbildung 1: Aufbau der Datenbank zur Erfassung der Befragungsergebnisse

'Grunddaten' [1]: Anschrift des Adressaten und weitere Merkmale wie die Zugehörigkeit zu einer Adressatengruppe (Fachgesellschaft, Betroffenen-Organisation, KAiG oder Sonstige) und die Art der Stellungnahme

'Aussagen' [2]: aus den Stellungnahmen extrahierbare Aussagen zu Über-, Unter- bzw. Fehlversorgung 

'Empfehlungen' 21: aus den Stellungnahmen 'extrahierbare' Empfehlungen zum Abbau der Versorgungsprobleme

'Quellen'21: bibliographische Daten der angegebenen Literaturquellen, Herkunft der Quelle, grobe Einstufung der Evidenz der Quelle

1 : n Einem Datensatz in den Grunddaten können n Aussagen bzw. Empfehlungen und einer Aussage können n Empfehlungen zugeordnet werden. 

m : n m Quellen können n Grunddaten/Aussagen/Empfehlungen zugeordnet werden. 


[1] vgl. Auflistung der Adressaten im Anhang

[2] Die Originaltexte der befragten Organisationen können über die Internetseiten des Rates eingesehen werden (www.svr-gesundheit.de).

Quelle: eigene Darstellung


4.3 Bewertungskategorien des Rates

 

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