3.2 Marktübersicht Medizinprodukte

52. Die Angaben zu den Beschäftigten in der Medizinprodukteindustrie schwanken je nach Quelle und Abgrenzung zwischen 120 000 und 190 000. Unabhängig von diesen Abweichungen setzt sich die Medizinprodukteindustrie in Deutschland überwiegend aus kleinen und mittelständischen Betrieben zusammen. So beschäftigen über 90 % der Betriebe weniger als 250 Mitarbeiter. Der Umsatz dieser Betriebe belief sich im Jahr 2012 auf 22,3 Milliarden Euro. Damit stellt Deutschland hinter den USA mit 90 Milliarden und Japan mit 25 Milliarden den weltweit drittgrößten Herstellermarkt für Medizinprodukte dar, bei einem Gesamtumsatz für Medizinprodukte von weltweit etwa 220 Milliarden Euro. Innerhalb des deutschen Herstellermarktes entfielen über 50 % auf die Produktionsbereiche bildgebende Verfahren, Zahnmedizin sowie Gelenkersatz bzw. Prothesen. Dabei erwirtschaftet die deutsche Medizin­produkteindustrie ihren Umsatz zu über zwei Drittel im Ausland und ist mit einem Anteil am Weltmarkt von 14,6 % hinter den USA mit 30,9 % der zweitgrößte Exporteur. Ein großer Teil der Exporte geht mit ca. 40 % in Länder der Europäischen Union (EU), aus denen auch fast 50 % der Importe von Medizinprodukten stammen. Eine Besonderheit des Medizinprodukte­marktes besteht in den kurzen Lebenszyklen der einzelnen Produkte, sodass die Hersteller etwa ein Drittel ihres Umsatzes mit Produkten erzielen, die sich weniger als drei Jahre auf dem Markt befinden.

53. Der Anteil der forschenden Medizinprodukteunternehmen beläuft sich auf 17 % mit einem Anteil von 15 % forschender Beschäftigter und etwa 9 % an Aufwendungen für Forschung und Entwicklung am Gesamtumsatz. Für die Innovationskraft der deutschen Medizinprodukteindustrie sprechen 623 erteilte Patente im Jahr 2012 an Anmelder mit Sitz in Deutschland. Damit nimmt Deutschland mit ca. 14 % aller weltweit im Bereich der Medizin­produkteindustrie erteilten Patente hinter den USA mit 41 % bzw. 1 889 erteilten Patenten den zweiten Platz ein. Zur Verteilung der Patente auf die in Tabelle 1aufgelisteten Risikoklassen von Medizinprodukten liegen keine belastbaren Daten vor, was auch für die Gesamtzahl aller auf dem Markt befindlichen Medizinprodukte bzw. deren Verteilung auf die jeweiligen Risikoklassen gilt.

Hinsichtlich der quantitativen Bedeutung, die Aufwendungen für Medizinprodukte an den gesamten Gesundheitsausgaben oder den Ausgaben der gesetzlichen Kranken­versicherung (GKV) einnehmen, existiert ebenfalls eine sehr lückenhafte Datenlage. Die Gesundheitsausgabenstatistik, die zunächst nach Ausgabenträgern differenziert und deren Aufwendungen verschiedenen Kategorien von Leistungsarten und Einrichtungen zuordnet, weist hier keine eigenständige Leistungskategorie Medizinprodukte auf. Nach einer mittel­baren Ableitung aus der Kategorie Waren, die u. a. Hilfsmittel, Implantate, ärztliches und pflegerisches Verbrauchsmaterial sowie Narkose-, Labor- und sonstigen medizinischen Bedarf umfasst, beliefen sich die Ausgaben für Medizinprodukte ohne Aufwendungen für Investitionsgüter und Zahnersatz im Jahre 2011 auf schätzungsweise 28 Milliarden Euro, die sich aus 14,7 Milliarden Euro für Hilfsmittel und 12,6 Milliarden Euro für sonstigen medizinischen Bedarf zusammensetzen. Dabei dürfte der Ausgabenanteil der GKV bei etwa 17,6 Milliarden Euro bzw. 63 % gelegen haben. Eine valide Angabe der Aufwendungen für Medizinprodukte insgesamt und innerhalb der einzelnen Ausgabenträger, wie z. B. der GKV, erlauben die öffentlich zugänglichen Daten jedoch nicht.


Weiter zu "3.3 Status quo der Regulierung von Medizinprodukten"

Nach oben